Das Osterspiel von Ossiach

ist eine Pergamenthandschrift aus der Universitätsbibliothek Klagenfurt, Anfang 13. Jh., aus dem Kloster Ossiach in Kärnten. Es enthält das Gespräch von Maria Magdalena mit Jesus nach der Auferstehung und ihre anschließende Ansprache direkt an das Publikum. Dieses lateinische Evangelium in Dialogform gilt als Urform der späteren Passionsspiele. Es ist für viele Theologen und für mich eine Schlüsselstelle im Glauben an die Auferstehung Jesu, da in der dominanten Männerwelt von damals eine Frau als erste Zeugin der Auferstehung Jesus genannt wird. Der Text auf lateinisch im Ossiacher Fragment lautet:

“Jesus: Maria! Maria: Rabboni! Jesus: O Maria noli me tangere“ Auf Deutsch: 

„Jesus: Maria! Maria: Rabbi! Jesus: O Maria berühre mich nicht“ 

Im Ossiacher Osterspiel stehen darüber Neumen – die ältesten in Kärnten geschriebenen „Noten“ im Gregorianischen Choral (Neume: Wink, Gebärde)

Aus der Universitätsbibliothek Klagenfurt PE 32, Blatt 77v-78r

Das Stift Ossiach gehörte im 13.Jahrhundert zur Kirchenprovinz von Aquileia. Deswegen ist es von Interesse, in Friaul und Venetien nach Vertonungen dieses Osterspiels zu suchen.Im Prozessionsbuch von Civididale aus dem 15. Jahrhundert wird derselbe Text mit zwei Abweichungen in der Quadrat-Notation überliefert, nur mit einer etwas anderen Melodie:

Cividale!

Diese Stelle von der Begegnung des Auferstandenen mit Maria Magdalena klingt mit den Noten von Cividale so:

Die Benediktiner  ein musikalischer Fixstern in Ossiach

Die Benediktiner haben um 1060 den Gregorianischen Choral nach Ossiach gebracht. Aus dem 13. Jahrhundert gibt es aus dem Kloster Ossiach ein Osterspiel in lateinischer Sprache mit den ältesten in Kärnten geschriebenen Noten ("Neumen"). Mit Abt Edmund Iblpacher, einem Jesuitenschüler aus Klagenfurt, hält das Barock Einzug in Ossiach (1682-1725). Der Hauptaltar, die 2 Barockorgeln, eine Sonnenuhr und das Refektorium tragen sein Wappen. Das ehemalige Refektorium ("Knappensaal") im Osttrakt des Stiftes werden von ihm mit Fresken und  Stuckaturen im Knorpelwerk-Stil ausgestattet. Abt Iblpacher war 1697-1700 Vorsitzender ("Präses") und Visitator der Benediktiner-Universität in Salzburg und damit höher gestellt als der dortige Rektor. Er war Deputierter im Landtag und Legat der Kärntner Landstände am kaiserlichen Hof bei Kaiser Leopold I.("Türken-Poldi"). In der 722-jährigen Geschichte des Klosters war Abt Iblpacher einer der einflussreichsten Äbte  und eine Lichtgestalt.